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Wer wir sind, was wir wollen...

Das Frauencafé wurde 1983 gegründet und wird seitdem ehrenamtlich betrieben. 2003 wurde
im Zuge der Umzugsplanungen ins Frauenprojektehaus der Verein Frauencafé e.V. Tübingen
gegründet. Im Jahr 2007, rechtzeitig zum 25 jährigen Jubiläum 2008, hat sich das Frauencafé
einen neuen Namen gegeben: »achtbar«. Neben sich - achten - steht die Zahl 8 auch für die
Hausnummer in der Weberstraße.

Der Kern der Organisation ist die Cafégruppe, die sich trifft, um die Grobplanung vorzunehmen
sowie Grundsätzliches und Konzeptionelles zu besprechen. Weiter bestehen kleinere Unter-
gruppen, die z.B. Veranstaltungen organisieren, sich um die Einrichtung kümmern, Öffentlich-
keitsarbeit betreiben, die Vermietung der Räumlichkeiten organisieren usw. Und nicht zur ver-
gessen sind natürlich unsere Baristas (Tresenfrauen), die Donnerstag- bis Samstagabend dafür
sorgen, dass das Frauencafé »achtbar« überhaupt seine Pforten öffnen kann.

Treffpunkt Frauencafé »achtbar«


Als lebendiges Forum für Information, Diskussion und Austausch ist das Frauencafé ein Ort der
Auseinandersetzung über verschiedene Lebensrealitäten von Frauen. Denn hier treffen Frauen
mit unterschiedlichen Lebensstilen aufeinander, von kinderlosen Frauen, Alleinerziehenden oder
lesbischen Müttern über politisch engagierte Frauen hin zu bisexuellen und lesbischen Frauen
und Mädchen. Dadurch bietet es die Möglichkeit zur Reflexion auch unkonventioneller Lebens-
entwürfe. Es fördert damit die Identitätsfindung insbesondere junger Frauen. Ebenso wird das
Frauencafé von Frauen, die neu in Tübingen sind, als Informationsstelle für frauenspezifische
Projekte und Veranstaltungen genutzt.
Zudem ist die »achtbar« ein wichtiger öffentlicher Raum für Lesben.
Sonntag bis Mittwoch, sowie Donnerstag bis Samstag tagsüber können die Räume z.B. für
Arbeitskreise, Tagungen, Vorträge oder Workshops angemietet werden. Während des Café-
betriebs wird das Frauencafé zum Treffpunkt am Abend, um zu plaudern, zu tanzen, andere
Frauen kennen zu lernen, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen oder einfach nur in Ruhe
Zeitschriften zu lesen. Ebenso ist das Frauencafé ein traditionell fester Bestandteil der Kultur-
szene in und um Tübingen.

Desweiteren nutzen verschiedene Intressengruppen die »achtbar« als Treffpunkt. Zum Beispiel:
LesBiT, Verdi, LUNA …

Ziele des Frauencafés »achtbar«

Durch Veranstaltungen wollen wir die Auseinandersetzung mit weiblichen Lebenswirklichkeiten
fördern. Ebenso wollen wir die Aufmerksamkeit auf die Rolle der Frau in anderen Gesellschaften,
geschlechtsspezifische Gewalterfahrungen, das Frauenbild in der Wissenschaft, Frauen in der
Geschichte und auf Fragen gesellschaftlicher Akzeptanz lesbischer und bisexueller Lebensweisen
lenken. Durch kontinuierliche Ausstellungen, Lesungen, Film- und Kleinkunstabende wollen wir
Frauen zum Experimentieren in verschiedenen künstlerischen Gebieten auffordern.

Ein grundsätzliches Ziel des Frauencafés ist, Frauen zum Widerstand gegen persönliche und
strukturelle Gewalt zu ermutigen (z.B. durch Selbstverteidigung, Raum/ Anleitung zur Selbst-
organisation, Selbsthilfegruppen, Rückhalt). Ebenso wollen wir die Reflexion unkonventioneller
Lebensentwürfe von Frauen ermöglichen, die Auseinandersetzung mit feministischen Theorien
und frauenpolitischen Themen fördern und ein Forum für Diskussionen über verschiedene
Fragestellungen in der Frauenforschung schaffen. Nicht zuletzt ist alleine die Existenz von
Frauenräumen ein Politikum. Wir bieten Veranstaltungen unterschiedlicher Art: Feste, Vorträge,
Ausstellungen, Konzerte, Spieleabende, Lesungen, Kleinkunstabende, Filmvorführungen mit
und ohne Diskussion, Brunch, Tanztees und Workshops.

Warum ein Raum ausschließlich für Frauen?

Die Geschichte der Geschlechterbeziehung lässt sich auch als Geschichte der Raumaufteilung
verstehen. Männer und Frauen besetzen unterschiedliche Räume mit unterschiedlichen Macht-
potentialen und Machtsymbolen. Der öffentliche Raum ist selten ein zweigeschlechtlicher,
häufig ein eingeschlechtlicher Raum. Er ist ein Männerraum ohne so benannt zu werden.
Das Geschlecht der männlichen Hauptakteure wird verleugnet. Männer stehen für das Allge-
meine. Ihre Interessen, ihre Aktivitäten, ihre Kultur und Unkultur gelten als allgemein mensch-
lich, nicht der Enge eines Geschlechts zugeordnet und verhaftet. Es wird ein Bild von Öffentlich-
keit vermittelt, als ginge es dabei um allgemein menschliche Aufgaben und Belange, die von
denjenigen wahrgenommen werden können, die ihre Geschlechtlichkeit überwunden haben,
die sich nicht über ihr Geschlecht definieren. Dem männlichen Menschen werden diese Eigen-
schaften zugesprochen. Wo ist unser "Raum für die eigenen Füße" (Rahel Varnhagen)?
Virginia Woolf forderte 1929 als Bedingung für die schöpferische Tätigkeit von Frauen
"ein Zimmer für sich allein". Soziale Räume und reale Räume stehen in einem vielschichtigen
Verhältnis zueinander.

Frauen möchten Räume …

… ein einfacher Satz. Es geht um Raum, um sich zu treffen, sich zusammenzusetzen, ein Glas
Bier, eine Tasse Kaffee zu trinken, Feste zu feiern, Veranstaltungen durchzuführen, Pläne zu
schmieden, zu gestalten und sich wohl zu fühlen. Was ist daran so schwierig? Es gibt Kneipen,
Gemeindehäuser, Restaurants, Vereinsräume, Straßen, Plätze, Parks, Stadien.
Frauen, die öffentliche Räume für sich beanspruchen, geraten in eine paradoxe politische
Situation: Sie müssen ihre Geschlechtlichkeit, ihr Frausein zum Ausgangspunkt ihrer Forderungen
machen. Sich auf die eigene Geschlechtlichkeit beziehen heißt Interessen und Sichtweisen zu
formulieren, die partiell und gemäß patriarchaler Definition nicht von allgemeinem Interesse
seien. Ein gewaltiger Schachzug des Patriarchats: Der Mann als der Mensch, geschlechtslos,
neutral.

Die Frau als das andere, das über ihr Geschlecht definierte Wesen. Männer haben das Privileg,
im öffentlichen Raum zu agieren, ohne die geschlechtliche Begrenztheit ihrer Forderungen
thematisieren zu müssen.
"Kein Ort. Nirgends" betitelte Christa Wolf das Schicksal der dichtenden Karoline von Günderrode,
die als junge Frau mit ihrer Weiblichkeit und ihrem Talent keinen Raum in der Gesellschaft der
Wende zum 19. Jahrhundert fand.
Wie sieht das jetzt aus? Wie können wir Frauenräume sichern, gestalten und ausbauen.
Welchen Sprung zu neuen Ufern können wir wagen?

 

 
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